Königsorden

Der Königsorden

Der Königsorden

Nur selten kommen die amtierenden Majestäten des Mindener Freischießens in den Genuss, die wertvollen Kronen des Bürgerbataillons auf ihrem Haupt tragen zu dürfen. Nicht unbedingt auf Grund des materiellen Wertes, sondern vielmehr, weil die Kronen aus handwerklichen, kunst- und stadtgeschichtlichen Gesichtspunkten zu den bedeutendsten Stücken des Mindener Museums gehören. Diese Beurteilung hat die Bataillonsführung – was kaum bekannt ist – Anfang 1965 bewogen, von der älteren Krone, der so genannten „goldenen Krone“, die sehr altersschwach war, durch Goldschmied Michael Voß eine Nachbildung anfertigen zu lassen. Die neuen Mindener Könige kommen dennoch nur kurzzeitig in den Genuss, den besonderen Kopfschmuck zu tragen: nämlich nach der Proklamation und dem anschließenden Marsch der Königskompanie(n) durch die Innenstadt und anschließend erst wieder zwei Jahre später, beim nächsten Freischießen im Rahmen des Parademarsches durch die Mindener Straßen. Ansonsten bleiben die Kronen dort, wo sie aus geschichtlicher Sicht auch hingehören: im Mindener Museum.

So war es ein echtes Anliegen vieler Verantwortlicher, dass das Bürgerbataillon erstmals zum Freischießen 1952 ein Ehrenzeichen stiftete, das alle neuen Majestäten zur Erinnerung an ihren Königsschuss erhalten sollten. Aber auch die noch lebenden, vorangegangenen Majestäten erhielten noch einen Königsorden. So erinnert das „älteste“ noch vorhandene Abzeichen an den König aus dem Jahre 1908. Die Ehrenzeichen sind aus einer Silberplatte herausgearbeitet. Der so genannte Königsorden ist eine Ansteckplakette, die auf der linken Brustseite getragen wird und deren Höhe 56 mm und Breite 47 mm beträgt. Das Mittelstück ist eine silberne Schießscheibe. Der obere Halbkreis trägt um die Ringe der Scheibe herum die Umschrift: MINDENER FREISCHIESSEN. Im unteren Halbkreis befindet sich ein aufgelegtes vergoldetes Band mit der Aufschrift: DEM KÖNIG (und der jeweiligen Jahreszahl des Königsschusses). In der Mitte des Ehrenzeichens das vergoldete Mindener Stadtwappen, das den doppelköpfigen Reichsadler und die gekreuzten Schlüssel zeigt, aufgesetzt. Die Schießscheibe ist umgeben von einem vergoldeten Eichenkranz, die Krone ist ebenfalls vergoldet.

Juwelier David aus Minden war seinerzeit der erste, der mit der Herstellung des Königsordens betraut wurde. Später ging diese Aufgabe an Juwelier Gerdsmeier, inzwischen an Juwelier Laufer über. Alle fertigten nach den Vorlagen aus dem Jahr 1952, wobei jeder Orden für sich ein individuelles Kunstwerk darstellt. So stellen auch die Orden, die den beiden neuen Majestäten am jüngsten Freischießen-Haupttag verliehen wurden, wieder individuelle Stücke dar, die wie ihre „Vorgänger“ in Kleinigkeiten voneinander abweichen.

Die Begierde des Objektes – schließlich will in Minden fast jeder Aktive einen der beiden Königsschüsse abliefern – nimmt rund 30 bis 40 Stunden je Orden in Anspruch. Das Werkstück wandert dabei durch die Hände von Handgraveur, Goldschmied und Polier. Eine neue Form wird erstellt, Silber- und Goldteile müssen aufgesetzt und miteinander befestigt werden. Mit Kugelpunzen werden Vertiefungen gemacht. Es wird gefräst und mit dem Stichel werden die entsprechenden Gravuren gezogen. Und dann liegen sie glänzend auf einer Auslage, die beiden neuen Königsorden des Mindener Freischießen, die diesmal erstmals vom Juwelier Laufer gefertigt wurden. Eine Tatsache, die Junior-Chef Olrik Laufer besonders stolz macht: „Es ist uns eine Freude, diese Orden für die Mindener Könige fertigen zu dürfen. Sie sind unbestritten die individuellsten und schönsten Orden, die man herstellen kann.“ Und Stadtmajor Wolfgang Meinhardt zeigte sich beeindruckt von der erstklassigen handwerklichen Arbeit: „Zwei wunderschöne Königsorden.“

Im Übrigen lässt es sich Juwelier Laufer beim Freischießen nicht nehmen, die neuen Majestäten beim Umzug durch die Innenstadt direkt im Anschluss an die Proklamation bei sich zu empfangen. Dabei wurden dem 1. König wie schon vor zwei Jahren ein von Silberschmied Manfred Hinderer gefertigter Bierbecher und dem 2. König eine „Mindener Stadtuhr“ überreicht.