Königskronen

Die Schützenkronen

Die Schützenkronen

Vom fairen Schießwettkampf bis zur Königsproklamation

Zu den „Insignien“ des Mindener Bürgerbataillons gehören die beiden Schützenkronen. Mit ihnen werden alle zwei Jahre beim Freischießen die beiden ersten Schützen zu Schützenkönigen gekrönt. Das war nicht immer so. Anfangs diente dazu ein grüner Kranz, mindestens bis zum Jahre 1685. Danach wurde die so genannte „goldene Krone“, die aus Messing besteht, angeschafft.

Die zweite Krone besteht aus Silber. Die lateinische Umschrift ist ein daktylischer Hexameter:

„CIVIBVS EN REX DAT PRO VALLIS MVNERA TANTA“

(Siehe, der König macht den Bürgern für Schanzarbeiten ein so großes Geschenk) und erinnert daran, dass König Friedrich Wilhelm I., weil 1729 ein Krieg mit Hannover drohte, durch die Bürgerkompanien vor dem Wesertor Schanzarbeiten ausführen ließ, um die Stadt zu schützen. Für das dafür bezahlte Geld wurde die neue silberne Krone angeschafft.

Wenn man die überhöhten (oben unterstrichenen) Buchstaben der Umschrift als römische Ziffern liest und zusammenhält, ergeben sie die Jahreszahl 1733, das Datum der ersten Benutzung. Aber man behielt auch die Messingkrone, und wenn in der Folgezeit gelegentlich in einem Jahr das Freischießen ausfiel, ermittelte man im nächsten Jahr zwei Schützenkönige, um nicht die 50-Taler-Prämie, die einst der Große Kurfürst für den ersten Schützen jedes Jahres ausgesetzt hatte, zu verlieren. Dann trug, wie auch heutzutage, der erste König die silberne und der zweite die Messingkrone.

Der materielle Wert der beiden Kronen, die für jeden Betrachter zugänglich ihren sicheren Platz im Mindener Heimatmuseum haben, ist gering. Ihr eigentlicher Wert ist historisch begründet. In einem Schreiben aus dem Jahre 1965 stellt der damalige Museumsdirektor Dr. Bath fest, dass die Kronen aus handwerklichen, kunst- und stadtgeschichtlichen Gründen zu den bedeutendsten Stücken des Mindener Museums gehören. Diese Beurteilung hat die Bataillonsführung – was kaum bekannt ist – Anfang 1965 bewogen, von der älteren Krone, der so genannten „goldenen Krone“, die sehr altersschwach war, durch Goldschmied Michael Voß eine Nachbildung anfertigen zu lassen. Die erforderlichen Geldmittel stellte die Firma Hagemeyer als Dank dafür zur Verfügung, dass sie beide Original-Kronen mit anderen Insignien des Bürgerbataillons in einem ihrer Schaufenster vor dem Freischießen 1964 zeigen konnte. Seit dem Freischießen 1966 tragen die 2. Könige diese Nachbildung, die so gut gelungen zu sein scheint, dass bisher noch keiner ihre Echtheit bezweifelt hat. Ein Geldgeber für die Nachbildung der silbernen Krone, die ebenfalls aus den erwähnten Gründen einen hohen Wert hat und unbedingt geschützt werden muss, wird noch gesucht.

Diese wertvollen Kronen tragen die Könige nur während des Freischießens. Sie werden dann ans Museum zurückgegeben. Als Erinnerung jedoch an ihre Regentschaft verleiht das Bürgerbataillon das Ehrenzeichen der Könige.

Die Teilnehmer am Mindener Freischießen müssen schon eine besondere Leistung erbringen, um einer der beiden Könige des Mindener Bürgerbataillons oder auch Jugendkönig (unter 18 Jahre) zu werden. So entscheiden weder wie in der Monarchie Tradition oder Erbfolge noch wie heute leider so oft die gesellschaftliche Stellung oder gar der Geldbeutel über die Königswürde, sondern die punktuelle Bestleistung im Vergleichskampf. Oft stand auch das Glück oder, solange das Schießen noch auf Kanzlers Weide ausgetragen wurde, ein günstiger Windstoß Pate, wenn es einem Teilnehmer am Haupttag des Freischießens mit einem einzigen Schuss gelang, die beste oder zweitbeste 10 – genau die Mitte einer Pappscheibe – auf 50 m Distanz zu treffen.

Unter Zuhilfenahme aller technischen Hilfsmittel werden beim Mindener Freischießen die zwei besten Zehnen ermittelt. Jede Kompanie/Eskadron/Tambourkorps möchte eigentlich selbst den König stellen.

Während der Parade vor dem Rat der Stadt und den Ehrengästen tragen die alten Könige des vorhergegangenen Freischießens, das also zwei Jahre zurückliegt, die Kronen. Am Nachmittag desselben Tages wird diese Ehre dann den neuen Königen zuteil, nachdem der beste Schuss, die Proklamation und Krönung vor dem altehrwürdigen Mindener Dom erfolgt sind. Nach dem Marsch in die Stadt, wobei die Könige in der Königskutsche sitzen, werden ihnen im Rathaus bereits die Kronen wieder abgenommen.

So war es ein echtes Anliegen vieler Verantwortlicher, dass das Bürgerbataillon zum Freischießen 1952 ein Ehrenzeichen stiftete, das alle noch lebenden und natürlich die neuen Majestäten zur Erinnerung an ihren Königsschuss erhalten sollten. Das Ehrenzeichen ist aus einer Silberplatte herausgearbeitet. Es ist eine Ansteckplakette, die auf der linken Brustseite getragen wird und deren Höhe 56 mm und Breite 47 mm beträgt. Das Mittelstück ist eine silberne Schießscheibe. Der obere Halbkreis trägt um die Ringe der Scheibe herum die Umschrift: MINDENER FREISCHIESSEN. Im unteren Halbkreis ein aufgelegtes vergoldetes Band mit der Aufschrift: DEM KÖNIG (und der jeweiligen Jahreszahl des Königsschusses). In der Mitte des Ehrenzeichens aufgesetzt und vergoldet das Mindener Stadtwappen, das den doppelköpfigen Reichsadler und die gekreuzten Schlüssel zeigt. Die Schießscheibe ist umgeben von einem vergoldeten Eichenkranz, die Krone ist ebenfalls vergoldet.